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| Ein aufschlussreicher
Umweg - ham'n'eggs und: Begegnung mit einem, der gegen Grenzen anfährt
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| Was wissen und erwarten wir von Serbien?
Um ehrlich zu sein: wenig. Das Gebiet der ehemaligen Republik Jugoslawien
heisst jetzt «Serbien und Montenegro», das meinen wir zu wissen.
Auch wenn sich eine deutschsprachige Zeitung, die wir lesen, wieder mit
einer serbokroatischen Bezeichnung behilft: Srbijai Crna Gora. Soll das
die Übersetzung sein? |
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Doch sagen uns weder die Städte Uzice,
Krusevac oder Nis viel, die wir auf unserer Reise kreuzen werden. Aktuelle,
das heisst «Nachkriegs-Reiseführer», so informierte man
uns noch in Bern, seien noch keine erhältlich. Erst seit kurzem besitzen
wir einen «lonely planet», der diesen blinden Fleck entfernt. |
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| Umweg über Priboj |
| Über die Grenze wollen
wir in der Nähe des bosnischen Visegrad. Doch das wollen die serbischen
Zollbehörden nicht. Visa seien nur in Uvaz erhältlich. Das Dorf
Uvaz liege auch nur einen Katzensprung entfernt, wenige Kilometer südlich.
Keine grosse Sache.
Die Sache kostet uns zwei Tage, denn nicht nur führen die wenigen
Kilometer über einen Pass, aus topografischen Gründen müssen
wir in Serbien noch eine weitere Schlaufe fahren, um schliesslich nach
Uzice zu gelangen, wo wir von Anfang an hin wollten.
Das ist ärgerlich, doch lernen wir dafür die Stadt Priboj kennen.
Wie Priboj beschreiben? Vielleicht mit der Szene unserer Ankunft: Wir
haben gegen achtzig Kilometer Bergfahrt in den Beinen, sind 260 Dollar
Visagebühren ärmer, es beginnt langsam zu dämmern, als
wir in die Stadt hereinfahren. Viele Autos hupen, schrilles Gelächter,
Zurufe - das sind wir gewohnt. Dass man uns 'Heil Hitler' entgegenschreit
ist neu. Wir |
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fahren von Alt-Priboj in
die Plattenbautensiedlung von Neu-Priboj, wo zentral die Autowerke stehen.
Die Gebäude sind heruntergekommen, sehen nicht aus, als ob sie noch
in Betrieb stünden.
Die Strassen sind belebt. Als wir vor dem zwanzigstöckigen russ-
und dreckgeschwärzten Hotel parken, drängelt sich eine Traube
Kinder um unsere Räder. Im Hotel: Synthesizergedröhn, im Neonlicht
der Eingangshalle trinken drei Männer und eine Frau auf versifften
Polsterstühlen sitzend Schnaps. Setzt euch zu uns, Mädels! Danke.
Nicht nötig.
Am nächsten Tag stellt sich einer der Schnapstrinker als deutscher
Aussendienstmitarbeiter vor. Hier mit dem Auftrag, den Boden zu legen
für einen Neuaufbau der Pribojer Autoindustrie. Im Vergleich zu mehreren
tausend würden seit dem Krieg nur noch einige hundert Wagen im Jahr
produziert. Die Stadt hat ihre Arbeit verloren. |
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| Raues Klima |
| Nach dem Zusammenbruch des
Kommunismus, nach jahrelangen Konflikten und Sanktionen geht es Serbien
und Montenegro schlecht. Laut Weltbank ist es eines der ärmsten Länder
der Welt. Von Hilfsprogrammen wie in Bosnien bekommen wir hier allerdings
nichts mit. |
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Später sehen wir, wie
auf dem Land mit einfachsten Mitteln gearbeitet wird: Dutzende gekrümmter
Rücken auf den Feldern links und rechts der Schnellstrasse, auf der
bulgarische und türkische Vierzigtönner ihre Waren transportieren.
Bald witzeln wir über die ewigen fetttriefenden ham'n'eggs, die man
uns in den filzigen und fleckigen, meist leeren Staatshotels zum Frühstück
auftischt. Dabei ist klar: Es gibt eben, was es gibt. |
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| Dank an Nis |
| Doch das Land, durch das
wir Richtung Osten fahren, ist wie auch Bosnien prächtig grün
und fruchtbar. Mohn und Kornblumen wachsen auf den Feldern. Ein Schweizer,
den wir vor seinem bepackten Velo kniend antreffen, will nächstes
Jahr 'ein paar Leute organisieren, um hier Ferien zu machen'. Eigentlich
wollte er ja nach Kanada. Aber hier sei es zum Velofahren doch ideal -
billig, und all die Vorurteile über Serben - davon sei rein gar nichts
wahr. Vorerst aber ist er theoretisch als Teil einer zwanzigköpfigen
Velokarawane unterwegs, um in Thessaloniki gegen Landesgrenzen zu protestieren.
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Theoretisch, denn gerade
heute hat er sich von der Gruppe abgesetzt... - wir verstehen ihn, reisen
ist schon zu viert nicht nur die reine Freude.
Und wir sind mit ihm einig: mit den Leuten, denen wir hier begegnen, machen
wir nur gute Erfahrungen. Dank hier zum Beispiel dem Veloklub Nis: für
die Kettenmontage und für die kyrillisch bedruckten T-Shirts, die
wir wohl auch bei Tag tragen würden, wenn die Form etwas - weniger
lappig, etwas körperbetonter wäre. |
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| Ab nach Sofia |
| Schliesslich durchqueren
wir Serbien aber zügig. Weil sich die flache Strasse dazu anbietet?
Weil wir das 'Reissen' haben? Es ist noch weit. Oder weil wir endlich
nach Sofia wollen, wo man im Art Hostel schon auf uns wartet? |
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