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Igel, Katzen und Maeuse, die Entdeckung einer verwunschenen
Lagunenlandschaft und: Wie schnell reisen wir eigentlich?
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Norditalien ist natürlich doch flach. Kurz nach
Como fahren wir auf der SS 11, die topfeben und zeitweise pfeilgerade
in Italiens Osten führt.
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| Igel, Katzen, Mäuse |
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Wir sind vom Verkehr überwältigt, unsere Augen tränen,
die Hälse kratzen. Personenwagen, Lastwagen, Motorräder schiessen
lärmend an uns vorbei. Ebenso wie die wohl hunderten von adrett ausgestatteten
Rennvelofahrer, die uns grinsend 'Salve' zurufen und winken, und von denen
Sarah sagt, dass sie alle nach Waschmittel riechen.
Von Zeit zu Zeit machen wir halt in einer Fernfahrer-Beiz, trinken Cola
und essen Panini, alles was man uns offeriert, wenn die Cucina nach der
Mittagszeit geschlossen wird. Dann weiter gerade-aus. Auf mehreren Parkplätzen
und alten Farbrikgeländen links und rechts der Hauptstrasse warten
Prostituierte auf Kunden, meist sind es Afrikanerinnen.
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Der scheinbar nie endende Verkehr
beherrscht diese Gegend zwischen Lombardei, Veneto und Friaul. Mehrmals
warnt man uns - passt auf der Strasse auf! Immer wieder lenken wir unsere
Räder an toten Tieren vorbei: Igel, Katzen, Mäuse, Tauben, Hunde:
einmal auf der Strasse, haben sie hier keine Chance. Dann realisieren wir
die zahlreichen Sträusse aus Kunstblumen, die, zum Teil liebevoll in
Plastic verpackt und mit Heiligenbildern geschmückt, an Baumstämmen
und Laternenpfeilern angebracht sind. Die Statistik der Verkehrstoten in
Norditalien kennen wir nicht. |
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| Nach Verona - auf der Autobahn |
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Die grossen Herausforderungen auf unserem Weg sind die Städte. Will
man
mit dem Fahrrad ins Zentrum, so folge man jedem Schild ausser jenem, das
ins Zentrum weist, ist unsere Erkenntnis nach einigen Tagen. In Verona
wissen
wir das noch nicht und finden uns auf einmal mitten auf der Autobahn wieder.
Die Videokamera hervorholen und dieses
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dramatische Ereignis festhalten oder
so schnell wie möglich abhauen? Die Diskussion ist kurz - wir hauen
ab.
Und erholen uns einen genussvollen Abend lang in der Opernstadt. Unsere
bepackten Fahrräder wirken skurril in der teppichbeflorten Eingangshalle
des Hotels, in dem wir uns einquartieren.
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| Wie langsam, wie schnell? |
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Weiter geht's am nächsten Tag - gerade. Wir kommen zügig voran,
die meisten
Fahrer überholen uns in respektvollem Abstand. Die flachen Strassen
reizen
auch uns zur Schnelligkeit. Wir fahren einzelne Tagesetappen von neunzig,
von hundert Kilometern. Doch wollen wir das? Immer wieder müssen
wir uns
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entscheiden: Die eigenen körperlichen Grenzen austesten, vorankommen,
fliegen oder in die Umgebung eintauchen, betrachten, treiben lassen. Wir
möchten
beides. Nicht alle das gleiche zur gleichen Zeit. Es wird eine Weile dauern,
bis wir unseren Reiserhythmus gefunden haben.
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| Wir finden eine (noch) einsame Lagunenlandschaft |
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Venedig umfahren wir - und entdecken kurz darauf östlich der Touristenstadt
eine herbe, zu dieser Jahreszeit einsam wirkende Lagunenlandschaft. Wir
fahren auf einem holprigen Natur-strässchen einem Kanal entlang,
an dessen Seiten, im üppigen Ufergewächs fast versteckt, zahlreiche
Schilfhäuser
stehen. Dach und Wände sind aus gebündelten Schilfhalmen gefertigt.
Die
Häuschen wirken verwunschen. Wer lebt hier? Ein Schild, auf dem Touristen-fahrten
durch die Lagune angeboten werden, macht den wohl naiven Wunsch, es möchten
keine Ferienhäuser sein, zunichte. Trotzdem. Noch sind die Touristen
hier nicht eingezogen.
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Wir übernachten in der Nähe auf einem menschenleeren, eigentlich
noch geschlossenen Zeltplatz direkt am Meer. Eigentlich sollen wir hier
sofort verschwinden, meint der Besitzer am folgenden Morgen. Wir fahren
weiter; es hat geregnet, jetzt scheint die Sonne und über den Äckern,
die von den Kanälen durchschnitten werden, schwebt feiner Nebel.
Vorbei an verlassenen Gehöften, deren verwitterte Eingangsschilder
auf frühere Agrargenossenschaften hinweisen. Von weitem scheinen
einige Höfe, nur über schmale Graszungen zugänglich, direkt
im Wasser zu stehen. Die Luft schmeckt süsslich, von weitem leuchtet
gelb der Raps
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| Bevor die Touristen kommen |
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Bald verlassen wir diese verwunschene Landschaft und fahren wieder auf
der
Hauptstrasse. Weiter Richtung Slowenien. Mehrmals noch campieren wir auf
leeren Zeltplätzen. Die Touristensaison beginnt erst Mitte Mai. Eine
Geschäftigkeit, die angesichts der
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leeren Restaurants und Hotels seltsam anmutet, liegt über der Küstenregion.
Noch wirken die mehrstöckigen Hotelblöcke wie Kulissen - in
zwei Wochen werden sich hier Touristen aus Deutschland, Oesterreich und
der Schweiz drängeln.
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| Kuren in Izola |
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Nach einer unfreiwilligen Irrfahrt durch die nächtliche Grenzregion
zwischen Italien und Slowenien finden wir das Haus von Sarahs Freunden
in Izola, Slowenien. Grossen Dank ihnen, dass wir hier auf dem Balkon
rumlümmeln, die Glieder ruhen lassen und die Eindrücke der letzten
Tage sich setzen lassen können. Gut gelaufen bisher - die Leute haben
uns viel Sympathie entgegenge-bracht - die vielen lustigen Wegskizzen,
wir werden sie sammeln - ob wir das mit der Kettenschmiere, die überall
auf den Kleidern klebt, in den Griff kriegen? - Wo war das noch, als der
Beizer uns sagte, vor einigen Tagen sei ein Franzose mit einem Esel und
einem Dromedar vorbei gekommen, nach Aethiopien wollte der...
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Unglaublich, die spitzen
Stiefel, die die Italienerinnen tragen - Morgen feiern die hier 1. Mai,
alles zu, wer kauft heute noch ein? - Wie lang ist jetzt eigentlich unsere
Verlustliste? 1 kaputte Brille (Simu), 1 Pumpe, 1 Kocher, 1 Loch im Katadynfiltersack
(noch nie gebraucht), 1 Tafel Schokolade (geschmolzen in Hugos Bach-Saccoche)...

Izola
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