Ein grosser Abschied, ein guter Start, viel Sonne, der erste Gipfel und: Norditalien ist gar nicht flach.


Der Abschied


An einem frisch gewaschenen Montag verabschieden wir uns auf dem Helvetiaplatz in Bern. Wir fahren nach China, Tschuess dann. Viele liebe Leute sind gekommen, die Sonne scheint, Seifenblasen schicken uns gute Wuensche mit, Fotoapparate werden gezueckt; wir fuehlen uns ein wenig prominent. Die Umarmungen sind kraeftig, mit gutem Gefuehl fahren wir los Richtung Spiez, unser erstes Etappenziel. Danke allen, die gekommen sind, gewuenscht haben, an uns denken, uns schreiben!

 


Die Fahrt nach Spiez wird eine Abschiedstour, Spaghettiessen in Wichtrach, Stop im Altersheim Gwatt, und schliesslich ein vorgewaermter Schlafplatz im Rust-Wald bei Spiez. An diesem ersten - und an den folgenden
sollte es so bleiben - an diesem ersten Tag geniessen wir Outdoorleben deluxe. Genug zu essen, Wasser, Muskeln, Gelenke, Raeder: alles haelt.

 


Der erste Gipfel

Die weitere Fahrt fuehrt uns von Spiez durch das Kandertal nach Frutigen,hoch nach Kandersteg. Nein, wir verladen die Raeder nicht in Frutigen. Die erste Schenkelprobe bestehen wir. Was nicht haelt, ist der erste Schlauch. Boxenstopp, weiter, als waeren wir bereits Monate unterwegs. Uebernachten im windigen Gampel. Morgen geht's rhoneaufwaerts dem Simplon entgegen. Wir beissen - der Mann im Veloladen in Brig hat uns den Schleichweg auf der alten Passstrasse

  neben der Autobahn skizziert. Wir verfahren uns trotzdem und verschenken viele erschwitzte Hoehenmeter. Also wieder hoch. Auf halbem Berg uebernachten wir auf einer idyllischen Lichtung. Waschen im eisigen Bergbach und dann ins Rhonetal hinunterbruellen, einfach, weil es schoen ist, nackt auf einem Berg zu stehen. Am folgenden Tag nehmen wir ihn dann,
den Simpi. Um drei Uhr nachmittags schiessen wir das Gipfelfoto. Und sind ziemlich stolz.

Die erste Grenze....

Unten sind wir schnell. Bis zu siebzig Stundenkilometer zeigen unsere Velocomputer an. Italien, die erste Grenze ueberquert. In der ersten Nacht zelten wir im Gaertchen des Ristorante Serenella in Villadossola. Carlo, der Besitzer, Kellner? findet das in Ordnung. Spaeter giesst er Sarah ein volles Glas Rotwein ueber die neuen Outdoorjeans und die hellblaue Faserpelzjacke. Und ist untroestlich. Wir bleiben trotzdem. Am morgen weiter nach Verbania. Bis wir loskommen ist es elf Uhr. Eine Erkenntnis, die wir bereits gewonnen haben: Das einfache Leben outdoor zu organisieren braucht Zeit, viel Zeit. Stunden verbringen wir mit Essen kaufen, Wasser besorgen, Zelt aufstellen, Matten aufblasen, auspacken, einpacken, auspacken suchen, suchen. In diesen ersten Tagen sind wir vor allem mit uns selbst beschaeftigt.

 



Essen, essen, Beine pflegen. Gut, dass wir als Gruppe so gut zusammen passen. Niemand ist zu schnell, niemand zu langsam.


... und trotzdem schon fast wieder in der Schweiz

Vom Lago Maggiore fahren wir - zum ersten Mal bei Regen - nach Como. Saemtliche Doerfer sind hier auf Huegel gebaut. Weshalb man nur vom flachen Norditalien spricht? Wir kommen trotzdem in Como an. Und bleiben. Fuer zwei Naechte.

 

21.04.03 Pasqua a Como - Am siebten Tag ruhen wir. Am See und spaeter am Nachmittag in einem kleinen Hotel-Viererzimmer verbringen wir einen schlaefrigen Ostertag am Comersee. Wieder einmal lesen, doesen, essen, Schenkel oelen. Die ersten Tage liegen schwer in unseren Beinen.
Fortsetzung folgt.